Mit Kinderaugen – Bauwagen

Ein Bauwagen steht am Waldweg. Er ist eigentlich für Waldarbeiter vorgesehen, scheint jedoch seit längerer Zeit nicht genutzt worden zu sein.

Jetzt lebt darin Familie Maus. Unter der an der Wand angebrachten Bank ist das Schlafzimmer. Papa Maus hat Moos und trockenes Laub gebracht. Mama Maus hat daraus ein wunderbares, weiches Bett für die ganze Familie gemacht: für die Eltern Maus und die zwölf Kinder Maus.

In der anderen Ecke befindet sich die Speisekammer. Dort ist so einiges gelagert, das Familie Maus nach und nach verspeisen wird.

Im Bauwagen ist es trocken und recht warm. Tagsüber heizt sich die Behausung von der Sonne auf, so dass Familie Maus nicht frieren muss.

Ob bald noch weitere Kinder dazu kommen?

Mit Kinderaugen – Holz

In der letzten Zeit wurde im Wald ausgeholzt. Ein großer Stapel an Schnittgut liegt neben dem Weg.

Auch hier wohnt sicherlich jemand.

Das ist der einsame Wanderer Heini. Er sucht in dem Holzhaufen Unterschlupf. Wie lange er dort bleiben kann? Das weiß er nicht. Das Holz kann jederzeit abgeholt werden.

So richtet Heini sich nicht sehr aufwändig ein. Ein einfaches Lager zum Schlafen, etwas Holz als Sitz, eine Holzscheibe als Tisch.

Sehr luxuriös ist diese Behausung nicht – aber sie gibt Heini Schutz vor Regen und Wind.

Mit Kinderaugen – Wurzeln

Heute gehe ich einmal mit Kinderaugen durch den Wald. Es ist die fast tägliche Runde, die ich mit meiner alten Hündin gehe.

Schon kurz nach dem Parkplatz komme ich an diese Stelle. Die mit Moos bewachsenen dicken Wurzeln dieses Baumes ziehen meinen Blick an.

Wer da wohl wohnen mag?

Es ist die Familie Wurzel. Mama Wurzel steht gerade am Herd und kocht das Abendessen. Hungrig warten die sieben Kinder Wurzel auf ihre Mahlzeit.

Papa Wurzel hat noch zu tun. Er überprüft, ob die Wasserversorgung überall intakt ist. Wenn die Wurzeln kein Wasser aufnehmen und transportieren können, stirbt der Baum – und damit verlöre Familie Wurzel ihr Zuhause.

Schließlich sitzt die gesamte Familie Wurzel an ihrem großen Esstisch vor gefüllten Tellern…

Herbst – Abend

Mit Blick auf den Turm kehre ich zum Ausgangspunkt zurück.

Jeder hier weiß, was gemeint ist, wenn man von „dem Turm“ spricht. Es ist der Thyssen-Krupp-Testturm.

Wie ein Fremdkörper steht er, fast von überall sichtbar, in der Natur. Er hat etwas Erhabenes, stellt eine Verbindung von der Erde zum Himmel her.

An diesem Novemberabend wird der Turm noch von einer Seite von der Sonne beschienen. Er sieht fast unwirklich aus.

Licht und Dunkelheit liegen sehr dicht beieinander…

Herbst – Spiegel

Der Linsenbergweiher liegt ruhig vor mir. Die Wasseroberfläche ist absolut glatt, wie ein Spiegel.

Fast lässt sich nicht unterscheiden, was Realität und was Spiegelung ist. Die Spiegelung im Wasser verdoppelt die Herrlichkeit der bunten Herbstnatur.

Wie geht es uns, wenn wir in den Spiegel schauen – oder gar den Spiegel vorgehalten bekommen? Das ist uns nicht immer angenehm. So können wir uns nicht verstecken. Wir müssen uns uns selbst stellen.

Die Natur ist immer schön. Sie muss sich nicht verstecken. Auch wir sind immer auf eine Weise schön – wir dürfen uns so annehmen, wie wir sind.

Herbst – Weg

Der befestigte Weg führt durch den Wald. Hier ist es viel dunkler als draußen auf der Wiese. Düster stehen die Bäume rechts und links des Weges.

Sonnenstrahlen zeichnen sich durch die Bäume auf dem Weg ab. Man sieht am Ende des Weges sonnenbeschienene Bäume.

Auch wenn der Weg noch so dunkel und schwer ist – es gibt immer wieder Lichtstrahlen, Lichtblicke…

Herbst – Nachmittag

Es ist ein schöner Nachmittag im November. Das Wetter macht einen glauben, dass es noch Oktober ist. Es sieht nach goldenem Herbst aus, nicht nach düsterem November.

Ich genieße die sanfte Sonne. Sie wärmt, blendet aber dabei nicht. Die Luft ist frisch, fast prickelnd. Nein, es ist doch nicht mehr Oktober. Die Champagnerluft des Oktobers ist übergegangen in die anregende Weißweinluft des sonnigen Novembers.

Fast trunken macht dieses Wetter – und doch unglaublich ruhig…

Gemeinsam

Einer der beiden Bäume steht sehr nahe an der Kapelle. Er berührt sie mit einzelnen Zweigspitzen.

Diese Nähe darf immer bestehen bleiben – egal, was kommen mag. Die Nähe zwischen dem Leben und der geistigen Welt, der Religion, der Kirche oder wie man auch immer das Transzendente nennen möchte…

Gem-einsam

Zwei Bäume flankieren die Kapelle. Auf der Bank sitzend, schaue ich nach oben.

Die Bäume stehen recht weit auseinander. Dennoch recken sie ihre Äste einander entgegen. Man weiß heute, dass Bäume miteinander kommunizieren. Dies scheint bei diesen beiden Kameraden deutlich sichtbar zu sein.

Wir sind in dieser Zeit gezwungen, einsam zu sein. Die Gemeinsamkeit kann uns dennoch niemand nehmen…

Verlassen?

Ich setze mich auf eine der beiden Bänke und betrachte die Kapelle genauer.

Sofort fallen mir die vielen welken Blätter im Inneren ins Auge. Sie lassen die Kapelle verwahrlost wirken. Kümmert sich denn keiner um sie?! Es muss doch wenigstens an so einem Ort sauber und ordentlich sein!

Dann fällt mein Blick auf das Tischchen mit den Kerzen. Es sind viele Kerzen. Alle brennen.

Nein, die Kapelle ist nicht verlassen. Das Licht ist heller denn je. Das, was uns Menschen ausmacht, lebt – auch wenn unser Umfeld „verwahrlost“ wirkt. Unser Licht wird nicht erlöschen…