Friedhof F. – erster Eindruck

Es gibt wieder einmal einen Friedhofsrundgang. Wir gehen über den Friedhof in F.

Obwohl ich schon oft in F. war, weiß ich nicht, wo dort der Friedhof ist. Und wo sucht man zuerst, wenn man einen Friedhof sucht? Natürlich bei der Kirche.

Die Kirche in F. steht jedoch regelrecht auf einer Bergnase. An drei Seiten fällt das Gelände steil ab. Hier kann kein Friedhof sein.

Am Ende meines Spaziergangs komme ich dann – am Friedhof vorbei.

Beim Betreten sieht er aus wie jeder andere Friedhof. Lässt man den Blick allerdings weiter schweifen, sieht man hinter den Bäumen, dass man einen tollen Ausblick haben muss.

Schule im Wald – Vogelnest

Ein kleines Stück vom Klassenzimmer entfernt finde ich das „Vogelnest“. Eine Art Hochsitz ist mitten im Wald gebaut.

Neugierig steige ich die steile Treppe, die fast eine Leiter ist, hinauf. Nina muss unten warten. Für sie sind die Stufen zu schmal und steil.

Oben angekommen, blicke ich in den Wald. Es ist kein Aussichtspunkt. Ziel ist nicht, dass man einen besonderen Weitblick hat. Nein, es geht hier darum, den Wald mit den Augen eines Vogels oder Eichhörnchens wahrzunehmen.

Ich lasse meinen Blick durch die Äste schweifen. Fast könnte ich meinen, ich müsste nur meine Flügel ausbreiten – und einfach losfliegen.

Dieser Wechsel der Perspektive ist befreiend. Er macht mich ganz leicht…

Schule im Wald – Lehrer

Doch wo bleibt der Lehrer oder die Lehrerin? Ich schaue mit baumelnden Füßen von meinem Platz aus an die Tafel.

Wer ist der Lehrer hier im Wald? Muss das ein Mensch sein?

Nein, der Wald selbst ist der Lehrer. Schaut man aufmerksam um sich, entdeckt man viele Details. Kleine Tierchen, Pflänzchen, die gerade ihren Kopf aus dem Boden strecken, größere Pflanzen, Vögel, ein Eichhörnchen…

Das scheinbar leere Klassenzimmer ist doch sehr belebt. Jede Kleinigkeit kann mir eine Geschichte erzählen – ich muss nur hinhören…

Schule im Wald – Schüler

Ich setze mich auf eine der Bänke – und komme mir wie ein kleiner Erstklässler vor. Die Bank ist so hoch, dass ich mit den Füßen nicht auf den Boden komme.

Das lädt natürlich direkt zum Baumeln lassen der Füße ein! Wo kann man als Erwachsener so sitzen? Schon dieses Gefühl der freien Beine lässt mich selbst frei fühlen… Was mir ein Lehrer vielleicht erzählen möchte, zieht meine Aufmerksamkeit nicht an.

Das Kind in mir freut sich diebisch…

Schule im Wald – Klassenzimmer

Bei einem meiner Spaziergänge mit Nina betrete ich einen ganz besonderen Raum mitten im Wald – das Waldklassenzimmer.

Wie in der Schule sind Bänke so angeordnet, dass man einen guten Blick auf die Tafel hat. Der „Raum“ ist ein freigehaltenes Plätzchen etwas abseits des Wanderweges.

Dieser Ort heißt mich willkommen. Als ehemalige Lehrerin fühle ich mich zu Hause an diesem Ort.

Darübersicht

Die Burg Wildenstein ist vielen Leuten ein Begriff. Frisch restauriert, strahlt die weiße Burg wieder unübersehbar in die Weite.

Der Aussichtspunkt neben der Burg wurde schon von zahllosen Menschen besucht. Man sieht hier in beiden Richtungen über einen Teil des Donautals. Was den Blick so besonders macht, ist, dass dieser Ort ungefähr auf der gleichen Höhe wie die andere Talseite liegt.

Ich sehe die gegenüberliegenden Höhen genauso wie die unten fließende Donau. Es ist, als ob ich nur die Flügel ausbreiten müsste und über das Tal hinweg fliegen könnte…

Übersicht

An dieser Stelle hat man eine herrliche Sicht auf das wildromantische Donautal. Alle Elemente sind hier zu sehen – der Wald, die Felsen, die Donau in ihren Auwiesen.

Wie das Werk eines Riesen wirkt die sanft dahinfließende Donau. Der Riese hat einfach einige Steine zwischen die Bäume gestellt und ein Bett für das Wasser eingeprägt. Alles sieht idyllisch aus.

Ganz anders wirkt es, wenn man im Tal entlanggeht. Da kommt man sich vor wie ein Zwerg in einer Riesenlandschaft.

Welch ein Unterschied, ob man etwas von oben sieht, oder ob man direkt eingetaucht ist…

Einsicht

Am Rande einer großen Wiese steht die Mattheiskapelle. In ihrer Einfachheit ist sie rührend. Der halb offene Raum bietet Geborgenheit und Schutz. Was ist wohl in dem kleinen Häuschen?

Ich sitze im Schatten der Kapelle und schaue über die Wiese zum gegenüberliegenden Wald. Man ahnt nicht, dass er ganz in der Nähe ins tiefe Donautal abfällt. Der Wald lädt ein. Man möchte hineinschauen.

Die Natur bietet Einsicht. Wo ist bei uns die Einsicht?

Kleinsicht

Nina, meine alte Hündin, und ich wandern oberhalb des Donautals. Es ist nicht zu heiß, sodass ich auch mit der Greisin eine ordentliche Runde gehen kann.

Mit dem Alter des Hundes verändert sich die Art des Wanderns. Was ich heute als „Wanderung“ bezeichne, war vor nicht allzu langer Zeit ein „kleiner Spaziergang“.

Auch das Lauftempo ist nicht mehr wie früher. Nina bleibt öfter stehen, scheinbar um eine Geruchsspur aufzunehmen. Ich glaube, es ist eher so etwas wie die „Schaufensterkrankheit“. Alte Leute bleiben auch manchmal vor Schaufenstern stehen, obwohl diese eigentlich nicht interessant wären – weil sie eine kleine Verschnaufpause brauchen. So auch Nina.

So sehe ich gleichzeitig viel mehr Details als bei zügigem Lauftempo.

Diese Stelle hat es Nina angetan. Sie schnüffelt sehr ausgiebig, und ich versenke mich in den Anblick dieser kleinen Welt.

Wie große Kissen liegen die Mooskugeln umgeben vom Laub des letzten Jahres. Weißgraue Steine ergänzen das Bild. Eine perfekte Komposition mit dominantem Grün. Man bekommt Lust, sich auf die Moospolster zu setzen – nur müsste man dazu ein Zwerg sein.

Es ist wie eine Miniaturwelt – wie schön ist die Sicht auf das Kleine!

Urlaub – kalte Nächte

Die Nächte während des Regens waren sehr angenehm. Es war nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm.

Nun dagegen, seit keine Wolke mehr am Himmel zu sehen ist, sind die Nächte kalt – sehr kalt. Wir müssen alles aufbieten, was ich eingepackt habe, damit wir nicht frieren. Nina lässt sich sogar in meine Jacke einwickeln. Das mag sie eigentlich überhaupt nicht.

Die Kälte lässt mich spüren – spüren, dass ich mit dem Draußen verbunden bin. So eine dünne Zeltwand zwischen mir und draußen zählt nicht. Ich bin eingemummelt in meinen Schlafsack und die Decken.

So bin ich ganz geschützt – und doch verbunden.