Zeiten

Vom lauten, windigen Strand klettere ich am nächsten kleinen Übergang die Düne hinauf. Zwei Schritte hinter der Düne wird es plötzlich still. Das Meeresrauschen ist nur noch ein leises Säuseln im Hintergrund.

Ich betrete die Dünenheide. Welch ein Gegensatz! Natürlich kenne ich das alles. Dennoch erstaunt es mich immer wieder.

In der Heide fühle ich mich stets, als ob ohne weiteres ein Mammut vorbeikommen könnte. Es würde mich nicht erstaunen. Dieses Urzeitgefühl ist besonders stark, wenn es so grau ist wie heute.

Wenn die Heide die Vergangenheit verkörpert, ist dann das Meer die Zukunft?

Stark spüre ich die Gegensätze in mir. Vergangenheit – Zukunft. Zukunft – Vergangenheit. Die Vergangenheit ist still. Sie fühlt sich ruhig, aber schwer an. Es ist wenig Bewegung darin. Schließlich ist sie ja vorbei.

Die Zukunft ist bewegt und geräuschvoll. Mit jeder Welle bringt das Meer die Zukunft zu uns. Man sieht den Horizont. Eine ganz gerade Linie, durch nichts unterbrochen. Hier wiegt die Vergangenheit nichts. Sie darf freigelassen werden.

Und wo ist die Gegenwart? Das bin ich, die ich zwischen Strand und Heide stehe. Jetzt. Nur in diesem Moment. Die Gegenwart dauert immer nur einen Wimpernschlag lang…

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