Schatten

Bezaubert von der so vertrauten und doch so wunderschönen Landschaft muss ich einfach fotografieren. Wie oft ich diesen Blick wohl schon festgehalten habe?

Ich zücke also das Handy und will abdrücken – da stehe ich mir aber doch selbst im Wege! Mein Schatten macht den Eindruck des schönen Ausblicks nicht gerade schöner. Trotzdem mache ich ein Foto.

Mein Schatten stört das Bild. Die intensiven Farben der besonderen durch Wolken erzeugte Beleuchtung rücken in den Hintergrund. Ich sehe nur noch meinen Schatten, wenn ich das Bild anschaue.

Und der ist auch nicht gerade schön. Ich sehe aus wie ein Michelinmännchen (wenn ihr euch an das Reifenmännchen von früher erinnert). Der über die rechte Schulter gehängte Rucksack verstärkt den Eindruck einer unförmigen Gestalt. Schonungslos.

Ich gehe weiter, die Sonne nun direkt im Rücken. Mein Schatten schaukelt vor mir her. Soll das mein Abbild sein? Ist mein Gang wirklich derart schwankend, als ob ich ein alter Seemann wäre? Ich richte mich auf und versuche, etwas besser zu gehen. Mehr in der Vertikalen zu bleiben. Naja, sieht gleich etwas besser aus.

Wenn mich allerdings jemand gehen sieht, hat er genau diesen Eindruck von mir – eine zwar schnell, aber seltsam gehende ältere Frau. Das ist schon irgendwie unschön – schonungslos.

Wie gut, dass der Weg seine Richtung bald ändert und ich mich nicht ständig selbst sehen muss…

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