Wunde

Der weitere Weg ist eigentlich sehr idyllisch. Er geht in leichten Kurven durch die Wiesen und Felder. Rechts des Weges sieht irgendetwas anders aus – richtig, hier standen früher große Bäume. Ich finde die Baumstümpfe.

Links erstreckt sich eine große, wellige Fläche. Dies war ein unberührtes, wunderschönes Stückchen Erde gewesen.

Heute befindet sich dort eine Biogasanlage. Wie ein Fremdkörper scheint sie in der Landschaft. Die Fahrsilos, die ständig von Baggern angeknabbert werden, verstärken den Eindruck noch – es ist eine Wunde in die Landschaft geschlagen worden.

Ich verstehe die Bauern, die irgendwie Wege zum Überleben suchten. Dies schien ein guter, sinnvoller Weg zu sein. Aber wo liegt der Sinn, wenn man die eigene Nahrung einfach verbrennt?

Lieber möchte ich auf die andere Seite schauen, wo die ursprüngliche Landschaft noch intakt ist. Aber ich muss doch immer wieder auf die Biogasanlage schauen. Bis ich mich irgendwann sogar zwinge, dort hinzuschauen. Man muss die Wunden ansehen, sie spüren. Nur so kann man das Heile schätzen – und schützen.

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